Historisches, Krieg und Zerstörung 

So sieht die Dekanats-Pfarrkirche bis zum Mai 1912 aus. Das große Langhaus, das schmale, niedrigere (auf der Aufnahme nicht sichtbare) Nordschiff zur Kellerstraße hin. Und der Kirchturm aus dem 11. Jahrhundert, der 1766 die imposante barocke Doppelzwiebel als Spitze erhielt.

Eine seltene Innenaufnahme der zweischiffigen Kirche. Die alte Kirche ist wesentlich kürzer als der Nachkriegsbau. An der Süd-Ost-Ecke des Turms trennt der Chorbogen schon den Altarraum vom Langhaus ab. In der Nordwand ist noch heute ein Absatz erkennbar, aus dem der Chorbogen in den Raum ragte. Die 1330 eingezogenen gotischen Gewölbe sind ebenso wie die Wände reich freskiert und gemalt. Eine reichhaltige Innenausstattung vervollständigt den Eindruck.

Im Mai 1912 ist es soweit: Die viel zu klein gewordene Kirche kann erweitert werden. Südlich der Pfarrkirche liegt bis heute die Kirchstraße. Bis 1912 lag dort die sehr schmale Kirchgasse, dann schloss sich eine kleine Häuserzeile mit Mädchenschule und Michaelskapelle an, der sich wiederum die Karnergasse anschloss. Die von der heute noch bestehenden Häuserlinie begrenzt wurde.
Ein Grundstückstausch mit der Stadt Rüdesheim ermöglichte den Abriss der Gebäude zwischen den beiden Gassen, die Kirche konnte nach Süden erweitert werden. Zwischen Kirche und der südlich gelegenen Häuserzeile lag nunmehr nur noch eine, breite Straße, die Kirchstraße.

Die Südwand wird durchbrochen, dass nur noch Pfeiler mit gotischen Spitzbögen die Statik sichern und auf voller Länge wird ein drittes Schiff, das Südschiff angebaut. Der linke Seitenaltar gelangt als Hauptaltar dieses Schiffes in die südliche Apsis. An der Stelle des linken Seitenaltars ist nurmehr eine Malerei als Altarbild. Der alte Friedhof auf der Fläche ist endgültig aufgelöst. Im Zuge dieser Maßnahme werden auch die sterblichen Überreste des letzten Abtes des Klosters Eberbach Leonhard II, OCist, eines gebürtigen Rüdesheimers mit dem Namen Laurentius Müller, in die Pfarrkirche überführt. Durch die Zerstörung der Kirche ist die genaue Lage des Grabes in der Kirche unbekannt.

Der Altarraum mit dem Hochaltar vor der Zerstörung.

In den späten 1930er Jahren vom unteren Teil des Marktplatzes aus fotografiert.

Untergegangenen Idylle...

Teilansicht des ehemaligen Türbaldachins über der Tür zur heutigen Marienkapelle. Dort war früher die Sakristei. Aktuell befindet sich ein Modell an dieser Stelle, da eine Rekonstruktion mit vorhandenen Originalfragmenten angedacht ist.

Am Kirchweihfest, dem 27. Juli 1947 wird in der vom Schutt geräumten Kirche das feierliche Levitenamt zur Grundsteinlegung zelebriert.